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So habe ich mich selbstständig gemacht


Eigenes Büro, eigener Chef und sich die Zeit selber einteilen, gehört zu den Vorteilen.


Selbstständig sein bedeutet frei sein! Keine direkten Vorgesetzten mehr, nur mehr machen, was einem Spaß macht und frei nehmen, wann man will. Das Ganze wird dann natürlich noch mit einem großen Batzen leichtverdientem Geld garniert, luxuriösen Urlaubsreisen, Freunde aus dem Jet-Set und einem dicken Auto in der eigenen Garage. So muss es laufen. So muss Leben!

Und dann wacht man auf und merkt: Es war alles nur ein schöner Traum!

 

Das Punk-Business

Wer mich nach der Selbstständigkeit fragt bekommt neben allerhand ehrlichen Antworten und guten Tipps, auch eine Geschichte zu hören. Meine Geschichte. Im Grund war ich immer schon mit einem starken Unternehmergeist gesegnet. Als ich 15 war spielte ich Bass in einer Punk-Band – nicht gerade der klassische Beginn einer Unternehmerlaufbahn. Wir hatten etliche Auftritte in ganz Österreich und lernten auch viele internationale Bands aus der Branche kennen. Irgendwann fragte ich mich, warum manche Bands, meistens aus den USA, bei uns in Wien auftraten und manche nicht. Ich begann mich für Eventorganisation zu interessieren und knüpfte Kontakte zu einer deutschen Konzertagentur.

Im Alter von 17 Jahren veranstaltete ich mit der Hilfe ein paar meiner Bandkollegen die ersten Konzerte in Wien. Damals gab es noch kein Internet, wir hatten keine großartigen digitalen Tools, die uns die Arbeit erleichterten und wir gingen, ganz nebenbei, auch noch zur Schule. Angemeldet hatten wir dieses Gewerbe natürlich nicht. Ich hätte auch gar nicht gewusst, was das soll. Wäre, nebenbei bemerkt, auch nicht punkig gewesen!

Für diese Konzerte organisierten wir die Auftrittsorte, unterschrieben Verträge, sorgten für die Bandunterkünfte, die Technik, das Catering und kümmerten uns im Vorbeilaufen auch noch um das Marketing. Wir gingen (meist illegal) Plakate aufhängen, zeichneten selber Flyer, die wir kopieren ließen und persönlich austeilten.

Großen Gewinn machten wir nicht damit, aber es war eine geile Zeit und mein erster Kontakt mit dem selbstständigen Arbeiten. Es sollte nicht mein Letzter sein.

 

Stagehand sein: Ein hartes Brot

Nach der Matura, dem österreichische Abi, zerbröckelte die Band nach und nach, und auch die Event-Organisation wurde zunehmend uninteressant. Manchmal frage ich mich, wo ich heute stehen würde, hätte ich damals einfach weitergemacht. Konsequenz und Ausdauer gehören zu den wichtigsten Unternehmer-Eigenschaften. Mir stand der Sinn damals allerdings mehr nach Action und Spaß. Geld verdienen, wollte ich natürlich trotzdem, denn mein Lebensstil war nicht so billig. Mit 22 rutschte ich zufällig in einen anderen Bereich der Veranstaltungsbranche.

Philipp, ein sehr guter Freund von mir, fragte mich eines Tages, ob ich mit ihm und ein paar anderen ein paar Event-Trucks ausladen möchte. Die LKW gehörten einer großen österreichischen Veranstaltungstechnikfirma und die Arbeit war nicht so schlecht bezahlt. Ich sagte sofort zu und merkte schnell, warum der Stundenlohn so hoch war: Das Entladen der Fahrzeuge war eine Knochenarbeit. Wir arbeiten rund sechs Stunden in der prallen Sonne und danach fiel ich todmüde und ungeduscht ins Bett. Mein Körper war gut trainiert, aber ich hatte noch nie solche Schmerzen. Dennoch war es cool, wieder einen Hauch von Rock‘n Roll-Luft zu schnuppern, und ich ließ mich auch ein paar Tage später wieder überreden, diesmal für eine andere Firma.

Die Arbeit blieb anstrengend, aber nach und nach gewöhnte ich mich daran. Ich wurde ein waschechter Stagehand und arbeitete mit wilden Typen für noch wildere Events. In dieser Zeit lernte ich, mir auch von Stärkeren nichts gefallen zu lassen. Oft arbeiteten wir 24 Stunden durch, bauten ganze Konzertbühnen auf, bedienten während den Gigs die Verfolger-Spots oder arbeiteten in der Organisation mit und bauten danach alles wieder ab. Dabei konnte man nicht nur sehr viel erleben, sondern auch ganz gut Kohle machen. Für mich damals ein guter Grund mich als „Roadie“ und Bühnenbauer mit einer Crew selbstständig zu machen. Als ich meine heutige Frau kennenlernte wurde diese anstrengende und unregelmäßige Artig allerdings zu beziehungsfeindlich und ich beendete dieses Kapitel.

 

Ein geregelter Job voller Fadesse

In den darauffolgenden zwei Jahren hatte ich zum ersten Mal einen „normalen“ Job. Ich arbeitete in einem großen Rechenzentrum im Operating, wurde damit aber zunehmend unglücklich. Mir fehlte die Aufregung, mir fehlt die Bühne. Eines Morgens beschloss ich zu kündigen und tat es sofort. In dieser Zeit, vor 20 Jahren begann ich zu schreiben. Ich schrieb ein erstes Kabarett-Programm und trat damit auf. Ich startete als freier Redakteur für eine der ersten Online-Jugendplattformen zu schreiben und begann schließlich zu Theater-, Film-, und Medienwissenschaft zu studieren. Daneben schrieb ich weiter. Zu diesem Zeitpunkt war es mir bereits bewusst: Das Leben ist Veränderung. Immer. Am erfolgreichsten sind jene, die sich darauf einstellen.

 

Seitdem war ich nebenbei immer Freiberufler

Es folgten Jahre mit verschiedenen festen Anstellungen, aber mir war das zu wenig. Eine Zeit lang versuchte ich Theater- und Kreativworkshops anzubieten. Ich machte mich erneut selbstständig. Dieses Projekt scheiterte allerdings kläglich. Ich lernte, dass jeder Misserfolg, die Möglichkeit für einen Neuanfang ist. Nach dieser Prämisse richte ich mein Leben aus. Ich begann Bücher zu schreiben und gründete die Online-Plattform Buchteufel, die ich einige Jahre betreute, bis ich nach einem weiteren Brotjob als Pressesprecher, erneut zu studieren begann. Mit 43 Jahren war ich der Älteste meines Jahrgangs. Dieses Masterstudium hat mir neben einer Unmenge an neuem Wissen auch eine große Portion an Selbstvertrauen mit auf meinem weiteren Weg gegeben. Kurz nach meiner Rückkehr in meine Geburtsstadt Wien, machte ich mich ein viertes Mal selbstständig. Diesmal mit der Werbeagentur Bunte Feder sowie viel mehr Struktur und Planung. Ich habe viel gelernt.

 

Ich bin angekommen

Inzwischen, 46 Jahre alt, habe ich endlich das Gefühl angekommen zu sein. Ich weiß was ich tue, ich weiß wo ich hinwill. Und schließlich weiß ich auch, welche Tipps ich jemandem geben kann, der wissen will, was es zu beachten gilt, wenn man sich selbstständig machen will:

 

  • Sei zu allererst mit dir selbst im Reinen. Du musst wissen, was du kannst und du brauchst Selbstvertrauen. Niemand der dir nicht glaubt, gibt dir einen Auftrag.

  • Man lernt nie aus. Lies Bücher, besuche Kurse oder fange ein Studium an, aber höre nie auf zu lernen, sonst wirst du links und rechts überholt.

  • Plane ausführlich: Wenn du weißt, was tu tun willst beginnt die Arbeit erst. Mache Pläne: Starte mit kurzen Pitches und schreibe schließlich einen Businessplan. Schreibe deine Motivation auf, deine Werte, deine Vision und Mission.

  • Suche dein Warum: merke dir immer, warum du tust, was tu tust. „Weil ich reich werden will“, ist kein Warum!

  • Glaub nicht, dass du schlechter bist, weil du neu bist. Mache dir bewusst, dass Anfänger sogar Vorteile haben. Sie haben Angst Fehler zu machen und arbeiten deswegen gewissenhafter.

  • Investiere Zeit: Die erste Zeit wird härter als die meisten Jobs als Angestellter. Du arbeitest meistens nur an der Struktur deiner Firma, und verdienst kein Geld.

  • Gründe gründlich: Wenn es ans Gründen geht, recherchiere gewissenhaft und vermeide Fehler. Diese werfen dich zurück und kosten im schlimmsten Fall Geld. Geld das du für andere Dinge brauchst.

  • Such dir Hilfe, wenn du Hilfe brauchst: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Lass dir helfen, wenn du mal nicht weiterweißt.

  • Rede mit anderen und baue dir ein Netzwerk auf: Du wirst sehen, vor allem zu Beginn kommen die meisten Aufträge aus deinem näheren Umfeld.

  • Schau aufs Geld: Halte deine Finanzen gewissenhaft zusammen. Gründe erst mit einem finanziellen Polster oder einem vertrauenswürdigen Unterstützer. Lerne etwas über Steuern, Buchhaltung und Anlagemethoden. Das ist essentiell.

  • Sei nicht zu teuer, und bitte nicht zu billig. Wenn du gar nichts verdienst, bist du schnell frustriert.

  • Setze dich intensiv mit Marketing auseinander (oder ruf mich an 😉)Lerne zu verkaufen: gute Verkaufsgespräche sind ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg. Gib keine Rabatte, du bist es wert.

  • Glaub nicht, du hättest keinen Chef: Jeder Kunde ist dein Chef!

  • Auch als Selbstständiger machst du nicht nur Dinge die du gerne machst. Im Gegenteil, du musst sogar regelmäßig Aufgaben erledigen, die früher immer andere für dich gemacht haben. Mache alles mit Stolz.

  • Gib nicht auf! Wenn du am Boden liegst, steh wieder auf. Sieh es als Lerneffekt, als wichtige Erfahrung. Wenn dein erster Plan nicht funktioniert, geh ein paar Schritte zurück und nimmt Anlauf für das nächste Mal. Du hast ja gelesen, ich bin jetzt zum vierten Mal selbstständig, und es sieht gut aus!


Ich hoffe ehrlich, dass ich dir mit meiner Geschichte helfen konnte und du jetzt einen Schritt weiter bist, mit deiner Entscheidung. Mi hätte diese Zusammenfassung zumindest sehr geholfen, deshalb musste sie geschrieben werden.

 

Viel Erfolg und Durchhaltevermögen,

Markus Neumeyer

von der Werbeagentur Bunte Feder


Buchtipp zum Thema "Selbstständig machen":



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